Musikvideo – live


Alice Cooper gehört sicherlich zu den Künstlern, die meine bevorzugte Musikrichtung maßgeblich geprägt haben. Die Chance, ihn live und als akkreditierter Fotograf zu erleben, konnte ich mir nicht entgehen lassen! Es hat mir schon ein wenig geschmeichelt, wie unproblematisch es war, an eine Akkreditierung für dieses Konzerthighlight zu kommen und wie angenehm die Arbeit vor Ort sich gestaltete.

Erwartungsgemäß war das Konzert dann auch ganz großes Kino. Der Sound war perfekt, das Licht ein Traum und die Show auf den Punkt durchchoreografiert- vom ersten Funkenvorhang über die „Hinrichtung“ mit der Guillotine bis zum Verlöschen des Lichts nach dem letzten Ton. Die Künstler wussten immer, wo sie zu stehen haben, die Spots saßen auf den Punkt genau und die Posen waren absolut getimed. Perfekt.

2014-05-31_21.28.03-Alice Cooper Mainz

Wie bei einer Legende mit einer so langen Bühnenhistorie nicht anders zu erwarten, setzte sich das Publikum aus geradezu absurd vielen unterschiedlichen Archetypen zusammen. (Ja, ich glaube daran, dass man – zumindest Konzertbesucher – in unterschiedliche Typen einsortieren kann! Wer mag, der schaue mal hier rein.)

2014-05-31_21.33.10-Alice Cooper Mainz

Da fanden sich überdurchschnittlich viele Menschen, die ihre wildeste Zeit offensichtlich schon hinter sich hatten, es sich aber nicht nehmen lassen wollten, diesen Künstler live zu sehen; manche hatten die alte Kutte noch ein letztes Mal ausgepackt, andere sich mit neuem Material vom Merch-Stand eingedeckt – aber allen war gemein, dass sie die (mittlerweile?) ungewohnte Atmosphäre offenkundig genossen.

Hinzu kam eine wilde Mischung aus sehr jungen und durchaus mittelalten Menschen, die den Eindruck erweckten, sich eher selten auf (solchen) Konzerten zu bewegen. In ihrer Ausgehgarderobe (vom eleganten Abendkleid über teure Markenhippieklamotten bis zum schwarzen Häschenkostüm war wirklich alles dabei) fielen sie zwar durchaus auf, sie wurden aber mit der szeneüblichen Toleranz aufgenommen und erfreuten sich sichtlich an der abenteuerlichen Umgebung.

Konzertveteranen bildeten nur einen erstaunlich kleinen Anteil am Publikum. Wir waren dann auch diejenigen, die mit der überperfekten Show unzufrieden nicht ganz so zufrieden waren: Es fand keinerlei Interaktion mit dem Publikum statt. Das Licht ging an, die Musik spielte los, Alice Cooper brachte einen Song in absoluter Präzision zu Gehör, der letzte Akkord verklang, das Licht ging aus. Das Licht ging an, die Musik spielte los, … ihr könnt Euch lebhaft vorstellen, wie das weiter geht. Noch nicht einmal ein „Hello Mainz!“ oder eine sonstwie geartete Begrüßung (oder gar eine Verabschiedung) des Publikum gab es. Kein „Thank you“, nichts.

2014-05-31_21.29.09-Alice Cooper Mainz

Damit wir uns nicht falsch verstehen: An der Musik und der Show dazu gab es absolut nichts auszusetzen; der Teil des Publikums, der Alice Cooper und seine Songs kannte, ging mit und machte, dass so etwas ähnliches wie Atmosphäre zu erahnen war. Es fehlte aber das gewisse Etwas. Vielleicht bin ich (und ein nicht unbedingt kleiner Teil des Publikums) mit zu großen Erwartungen in dieses Konzert gegangen. Andererseits habe ich genug Konzerte besucht um zu wissen, dass da deutlich mehr machbar ist. Insgesamt war das so etwas wie ein „public viewing“ eines (langen) Musikvideos. Schade.