Zeit für Bilder


Dass ich an einem längeren Projekt arbeite, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Ich nehme dieses Foto aus dem letzten Shooting zum Anlass, um ein wenig über Zeit, Zeit für Fotos und die Art, wie ich an diese Serie herangehe zu plaudern.

Die Shootings laufen unter der Überschrift „time for pictures“ – das bedeutet, dass sowohl meine Modells als auch ich kein Geld für die Fotografiererei bekommen, sondern wir als Lohn einzig die Bilder haben, die am Ende des Abends herauskommen. Für mich hat das den Vorteil, dass meine Modells eine ganz eigene Motivation haben, die nichts mit Geld zu tun hat. Bezahlte, professionelle Modells mögen mehr Erfahrung mitbringen, Posen schneller finden und besser halten – aber das ist nicht das, was ich will. Mir geht es darum, herauszufinden, wie meine Modells mit meinem Thema umgehen. Das ist einige Größenklassen intimer als „einfach“ nur ein paar Bildideen umzusetzen, dazu braucht es Menschen, die sich auf mich einlassen, die ein gewisses persönliches Interesse an den Fotos haben.

„Zeit“ ist hier auch ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg. Um den persönlichen Zugang zu meinen Modells zu kriegen, ihre Geschichten zu erfahren, sie zu verstehen, braucht es schlichtweg Zeit. Anders als bei „gewöhnlichen“ Shootings, bei denen „einfach“ ein paar Bildideen und Posen umgesetzt werden, müssen wir uns hier erst mal kennen lernen. Es läuft meist so, dass wir uns treffen und erst mal ein oder zwei Klischeefotos machen, zum Auflockern und um zu zeigen, dass Fotografieren gar nicht so weh tut. Danach nehmen wir uns die Zeit, einen Kaffee zu trinken und ein wenig zu plaudern. Nachdem wir uns ein wenig besser kennen, geht die eigentliche Arbeit los.

Wenn sich die anfängliche Nervosität gelegt hat und so etwas wie ein grundsätzliches Vertrauen geschaffen wurde, öffnen sich die Modells ein wenig und erlauben mir kostbare Einblicke. Diese Einblicke sind es, die dann zu Fotos werden: Ich lasse mich von den Modells zu Orten führen, die für sie eine persönliche Bedeutung haben, lasse mir erzählen, wie sie gewisse Situationen empfinden, damit umgehen und sie verarbeiten.

Letztendlich ist das – wie ich festgestellt habe – auch ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Selbstverständlich horche ich nicht einfach meine Modells aus, bohre in ihrem Leben herum und dringe in intime Bereiche ein. Wir reden miteinander und es ist nur natürlich, dass auch ich ein wenig von mir preisgebe. Das ist ein sehr intensives, manchmal anstrengendes aber immer spannendes Erlebnis. All das fließt schließlich in die Bilder ein, die wir so zusammen finden.

Herzlichen Dank an Euch alle, die Ihr Euch auf mich eingelassen habt!

Ich suche immer noch Menschen, die mich bei diesem Projekt unterstützen, wenn ich es immer noch nicht geschafft habe, Euch abzuschrecken: traut Euch! Mailt mich an!

Wie immer: hier geht es zur aktualisierten Galerie.