Der Anfang und lebendige Bilder auf Papier


1992 hatte ich meine erste Spiegelreflexkamera in der Hand. Mehr oder wenig aus der Not heraus, meine Kompaktknipse war kaputt. Das Erlebnis war prägend und die Ergebnisse bescheiden. Die Minolta SRT-101 meines Vaters ist ein Jahr älter als ich, mit technischen Raffinessen wie einem mittenbetonten Integral-Belichtungsmesser und einem 92% Pentaprismensucher mit Mikroprismen-Einstellscheibe ausgestattet und überhaupt ein Traum!

Ohne Autofokus und all dem anderen Schick-Schnack wurde aus Knipsen auf einmal eine Wissenschaft. Ich gebe zu, dass ich anfänglich durchaus überfordert damit war, Belichtungszeit, Blende und Fokus in den Griff zu bekommen. Dementsprechend mies waren auch die ersten Fotos. Richtig mies. Warum mich das nicht abgeschreckt hat, vermag ich nicht mehr zu sagen. Vielleicht war ich ja auch einfach zu faul (oder hatte kein Geld), mir eine neue Kompaktkamera anzuschaffen. Auf jeden Fall hat mich die 101 seit diesem Zeitpunkt lange Jahre begleitet.

1993 kam sie dann mit auf Griechenland Tour. Die GrAG war eine Gymnasien übergreifende AG, deren Abschluss eine 3-wöchige Studienfahrt nach Griechenland war. Eine unglaublich tolle Zeit mit vielen wunderbaren Menschen. Ich nehme an, dass ich einigen Mitfahrern (nicht nur) mit meiner Fotowissenschaft ziemlich auf die Nerven gegangen bin. Immerhin habe ich zusätzlich zu den Bildern mit rein persönlich-emotionalem Wert ein halbwegs brauchbares Foto hinbekommen.

Dieses Bild – aufgenommen in Χανιά in einer kleinen Seitenstraße unweit der berühmten „Lederstraße“ ist das erste Foto, dass ich mir in „groß“ (20×30 cm) habe ausbelichten lassen. Es hat mich über sechs Umzüge begleitet und hat auch heute noch – trotz oder gerade wegen der offensichtlichen technischen und gestalterischen Schwächen – einen ganz besonderen Platz in meinem Fotografenherzen. Anders als viele deutlich bessere Bilder habe ich dieses Bild nämlich auf Papier.

Das ist auch gleich der zweite Punkt dieses Artikels. Ich habe mittlerweile doch das ein oder andere gute Foto gemacht und dabei festgestellt, dass es absolut nichts bringt, Fotos auf der Festplatte (oder einem anderen beliebigen Datenträger) verschimmeln zu lassen. Niemand – zumindest niemand den ich kenne – schaut sich Fotos gerne am Bildschirm an. Oder auf winzigen Handydisplays. Ein Tablet ist schon ein Schritt in die richtige Richtung (und auf dem neuen iPad… *rawr*) – letztendlich habe ich aber an mir selbst festgestellt, dass ich die Fotos, die mir am liebsten sind, auf „echtem“ Fotopapier haben will.

Auf meinem Rechner habe ich mittlerweile einen Ordner – passend „Belichten“ benannt – in den das beste Bild jedes Shootings kommt. Ein Foto wirklich in der Hand zu haben, ist um so viel besser, als es „nur“ anzuschauen. Außerdem beschränkt man sich so auf die besten Bilder. Und das lohnt sich.